Ein Künstler, der immer ”richtig draußen” war

Datum: 03.01.2022

Andreas Kathe

Am 24. August 2021 ist in Dresden der aus Dinklage stammende Künstler Markus Tepe verstorben. Zwei Tage nach seinem 50. Geburtstag erlag er seiner schweren Parkinsonerkrankung. Markus Tepe war – nach Helmut Middendorf – der zweite Maler, der mit dem Kulturpreis der Stadt Dinklage ausgezeichnet wurde (2006). Mit seinen Arbeiten, vielen Ausstellungen und seiner umfangreichen Tätigkeit als Kunstvermittler und Dozent hatte er sich deutschlandweit einen Namen gemacht. Eine besondere Ehrung erfuhr er noch kurz vor seinem Tod durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Sie kaufte von ihm das Werk "Südliche Landschaft" (2013) an, das dann bis Ende August noch in einer Ausstellung im Leipziger "Zentrum für zeitgenössische Kunst" zu sehen war.

Markus Tepe wurde am 22. August 1971 als Sohn der Eheleute Monika und Karl Tepe in Dinklage geboren. Der Familie und seiner Heimat blieb er immer eng verbunden – beginnend mit der Schulzeit in Dinklage und am Gymnasium in Lohne bis hin zu einer ganzen Reihe von Ausstellungen, für die er immer wieder in die Region zurückkehrte. So sind auch in der aktuellen Herbstausstellung im Vechtaer Kaponier Bilder von ihm zu sehen. Gerne empfing er Gäste aus seiner Heimatstadt und aus dem Oldenburger Münsterland – darunter auch Schüler/innen des Lohner Gymnasiums – in seinem Dresdner Atelier.

Wie kommt man zur Kunst? Für Markus Tepe, so berichten es Vater Karl und Bruder Stefan im Gespräch, stand am Anfang wohl die Hinführung durch Lehrer/innen des Lohner Gymnasiums. Albert Bocklage, Johannes Kennerknecht und Renate Crewell sind die Namen derjenigen, denen die ersten Inspirationen zu verdanken sind.

Auf Anregung des Vaters begann Markus nach dem Abitur zunächst ein Studium der Architektur in Hannover. Ein "vernünftiger Beruf" sollte her. Nach einem Jahr setzte sich aber der "Kunstsinn" durch – und der junge Dinklager bewarb sich bei den Professoren Ulrich Erben und Udo Scheel an der Kunstakademie Münster. Die Enttäuschung folgte auf dem Fuß, denn die dazu eingereichte Mappe mit eigenen Werken wurde abgelehnt. Das entmutigte Markus Tepe aber nicht. Für einen neuen, dann erfolgreichen Anlauf besuchte er die Kunstschule von Jürgen Frey ("Atelier Frey-stil") in Vechta. Zielstrebig 
erarbeitete er hier eine 
neue Bewerbungsmappe und sandte sie ein; 1994 begann er sein Studium der "Freien Kunst" in Münster.

Den ersten Jahren in Westfalen folgte 1999 der Wechsel nach Dresden an die Hochschule für Bildende Künste zum Studium der Malerei und Grafik bei Professor Max Uhlig und der Professorin Ulrike Grossarth. Aufgrund seiner sehr guten Leistungen konnte Markus Tepe dann 2003 bei Grossarth ein zweijähriges Meisterstudium absolvieren; eine besondere Auszeichnung für den jungen Künstler.

Schon während des Studiums, dann aber auch in seiner Zeit als freischaffender Künstler und Dozent ab 2005 knüpfte er Kontakte zu vielen weiteren Künstlern, Kunstvereinen und Kunstinstitutionen. Ohnehin erlebte, wer Markus Tepe kennenlernte, einen offenen, sehr zugänglichen und freundlichen Menschen, der sich gerne auf Gespräche und natürlich auch auf den Austausch über künstlerische Fragen einließ.

Ein sehr gutes Verhältnis unterhielt er zu seinem Lehrer Max Uhlig. "Viele Bilder sind heute Kopfgeburten. Ich bin richtig draußen", das sei einer der Herangehensweisen an die Kunst, die er von Uhlig gelernt habe, sagte Tepe bei einer gemeinsamen Ausstellung in Cloppenburg 2006. In dieser Ausstellung sei das Wechselspiel zwischen Schüler und Lehrer besonders deutlich geworden, urteilte der Kunstexperte Dr. Martin Feltes damals. Gemeinsam unternahmen der heute 84-jährige Uhlig und Markus Tepe Studienreisen nach Südfrankreich oder sie bereiteten Ausstellungen vor. Künstlerisch vieldeutig ist das interessante Porträt "Frontales Bildnis Markus Tepe", das Uhlig 2008 schuf.

Neben seiner eigentlichen Tätigkeit als Künstler etablierte sich Tepe früh auch als Dozent. Seit 2006 lehrte er regelmäßig Malerei an der Europäischen Kunstakademie Trier. Diese schon seit 40 Jahren bestehende Einrichtung vermittelt allen Interessierten einen Zugang zu vielen Bereichen der bildenden Kunst in Einzelkursen oder auch in einem dreijährigen Studium. Weitere Kursangebote liefen über die "Thüringische Sommerakademie" oder die "Kunstakademie Allgäu".

Vor allem war Markus Tepe aber auch vor Ort in Dresden als Kunstenthusiast, als Kunstvermittler tätig. In 
seinem eigenen Atelier im Stadtteil Plauen (Altplauen 6) in Dresden etwas südwestlich der Altstadt fand er dafür das passende Domizil mit der Wohnung im Obergeschoss und den Arbeits- und Ausstellungsräumen darunter. Hier bot er in den Bereichen "Freie Malerei, Zeichnung und Bildnerisches Gestalten" Kurse in Kleingruppen bis zu sechs Personen an, die sich künstlerisch weiterentwickeln wollten. Im Vordergrund stand für ihn dabei nach eigener Aussage "die Förderung des persönlichen bildnerischen Ausdrucks und die Organisation der angemessenen Ausdrucksmittel". "Er hat gerne unterrichtet, das war sein Ding", sagt Vater Karl Tepe.

"Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgendetwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können." Diesen Schlüsselsatz des früheren Regisseurs Christoph Schlingensief sollte sich ins Gedächtnis rufen, wer auf die Malereien und Zeichnungen zugeht, die Markus Tepe in sehr vielen Ausstellungen national und international präsentierte. Bilder, die sich nur langsam, nach und nach erschließen, zu denen man sich den Zugang erarbeiten muss; was, salopp gesagt, hin und wieder vielleicht auch nicht gelingt. Bilder, die aber faszinieren, irritieren, Widerspruch und zugleich Begeisterung auslösen.

Öffentlich zu sehen waren sie schon früh. Das umfangreiche Ausstellungsverzeichnis, im Internet noch auf der Homepage des Künstlers zu finden, listet schon 1999 eine erste Schau in der Galerie Isshorst in Hamminkeln auf. 2001 geht es weiter im Karlsruher Bundesverfassungsgericht, dann folgen große Namen wie unter anderem das Künstlerhaus am Lenbachplatz in München, die Galerie für Junge Kunst im Staatsschauspiel Dresden, das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg oder eine Ausstellung in Brixen in Südtirol.

Wie schon oben vermerkt blieb der Künstler auch seiner Heimat treu: Immer wieder kehrte er mit seinen Werken in das Oldenburger Münsterland zurück. 2006 gab es eine erste Schau in der Dinklager VR-Bank, 2016 dann im Klostercafé Dinklage. Es gab Ausstellungen beim Kunstkreis Cloppenburg, im Vechtaer Kaponier, in der Lohner Galerie Luzie Uptmoor oder beim Kunstverein Die Wassermühle.

Sie alle erzeugten eine hohe Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Davon künden auch die Auszeichnungen. Neben dem Dinklager Kulturpreis wurde Markus Tepe 2004 bereits ein Stipendium für Lithographie im Künstlerhaus am Lenbachplatz in München zugesprochen. 2008 erhielt er das Otto Niemeyer-Holstein-Stipendium des Freundeskreis Otto Niemeyer Holstein (Usedom).

Die letzten Jahre standen für Tepe dann immer mehr unter dem Zeichen seiner Erkrankung, die er wohl bereits länger in sich trug, die aber erst vor drei Jahren diagnostiziert wurde. Nach einem Krankenhausaufenthalt schöpfte er neue Hoffnung, sollte eine erfolgversprechende Therapie weiter fortsetzen. Plötzlich und unerwartet kam dann die Nachricht von seinem frühen Tod.

Mit der Aufarbeitung seines umfangreichen Nachlasses sind nun sein Partner Friedrich Thomas, Dozent an der Detmolder Musikhochschule, und die Familie Tepe in Dinklage befasst. Sie wollen zunächst die Homepage des Künstlers aktualisieren und eine Katalogisierung der Werke fortsetzen. Es gilt, die noch in Dresden befindlichen Gemälde und Zeichnungen zu sichern, sie für weitere Ausstellungen bereitzustellen und gegebenenfalls auch Bilder zu verkaufen.

Viel zu früh gilt es nun für einen Künstler, der noch voller Schaffensfreude war, eine Nachlassregelung zu finden. Eine schmerzliche Aufgabe für alle, die um ihn trauern und ihn vermissen. Doch ist es wohl auch ein Trost, so dem künstlerischen Werk, das Markus Tepe hinterlassen hat, gerecht zu werden und es der Nachwelt zugänglich zu machen.


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